Wann genau mir die Kontrolle über die Kontrolle entglitt, kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen. Zu Beginn jedenfalls war ich fünfzehn und wütend.
Die beiden Adjektive gehen häufig Hand in Hand, das ist mir bewusst.
Doch bei mir war da mehr.
Da war der verzweifelte Wunsch nach Kontrolle.
Der Wunsch nach dem letzten bisschen Handhabe, das ich zu diesem Zeitpunkt über mein Leben, über meinen Körper hatte.
Der Wunsch nach Vernichtung.
Die Wut habe ich mit Rasierklingen vertrieben, die Ohnmacht dann mit Hungern.
Schlanksein und Schönheit waren mir egal, mit Diäten konnte ich nichts anfangen und von Thinspos hatte ich noch nie etwas gehört. Ich wusste nicht einmal, was Kalorien sind.
Es gab nur die Waage und meinen Körper, das Gefäß, welches mir so schrecklich im Wege war und dessen Existenz überhaupt erst das ermöglicht hatte, was mir passiert war.
In die Knie wollte ich sie zwingen, alle beide.
Beflügelt also nicht von dem Wunsch nach Optimierung, nach Anerkennung oder nach der Thigh Gap, sondern angetrieben von einer blinden Zerstörungswut, in der ich mein Äußeres so vernichten wollte, wie es mit meinem Inneren geschehen war.
Und lange Zeit dachte ich tatsächlich, das sei Kontrollausübung.
Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wie ich aussah, als ich meinen körperlichen Tiefpunkt erreicht hatte. Im Grunde ist es auch egal, denn für mich ging es nie um das Erreichen eines vermeintlich perfekten Körper.
Es ging um den
Nicht-Körper, das Auflösen der Grenzen, das Wenigerwerden und schließlich das
Verschwinden.
Letzten Endes lief es auf das Verschwinden hinaus.
So, wie es immer geschieht bei einer Anorexie.
Als ich mich dann für das Hierbleiben entschieden habe, da war es fast schon zu spät. Sich von alten Gewohnheiten zu lösen, ist schwer und schmerzlich. Meinen Körper zumindest habe ich irreparabel geschädigt.
Aber für meine Seele habe ich noch Hoffnung.
Hey,
AntwortenLöschenhab gerade über Lovely deinen Blog gefunden und mir alle Einträge durchgelesen. Es war so schlimm zu lesen, wie dein Leben aussieht oder aussah aber gleichzeitig so wunderschön,weil du es so unglaublich in Worte fasst. Wirklich, so kunstvoll, ich staune einfach nur.
Am meisten berührt hat mich der Post über deine Schwester. Ich habe auch eine jüngere Schwester, die ich hätte beschützen wollen, beschützen müssen (?). Aber ich hab es nicht gekonnt. Ich möchte jetzt keinen Spruch bringen von wegen "wir haben uns ja nicht mal selber beschützen können, es ist nicht unsere Schuld", obwohl ich denke, dass das wahr ist, nur es zu glauben ist eine andere Sache.
Ich hoffe du hast einen schönen Abend! lg, Liv
Ich nehme das jetzt mal als "Jaaaa oh Gott nein, das will ich dann ja doch nicht, deswegen schreibe ich jetzt einfach Jaaa und hoffe, er belässt es dabei, weil er vergessen hat, worum es gerade ging lala" xDD
AntwortenLöschen*räusper*, also wenn du irgendwann eine eigene Praxis haben wirst, dann musst du mir das bitte schreiben, ich glaub dann werd ich dein Patient xDD
Nicht so. Dir?
Genau beantworten kann ich sie ja nicht wirklich. Ich finde es nicht schlimm, wenn andere Leute etwas mehr auf den Knochen haben, nur... eben genau um die geht es. Um die Knochen. Ich will sie spüren. Dadurch spüre ich mich. "Fett" zu sein, wie du es gefragt hast, würde sowieso nie in Frage kommen wegen dem Tanzen, aber allein wenn ich mehr Muskeln habe (Höchstgewicht waren 65kg und da hatte ich eben mehr Muskeln), fühlt "es" sich zu viel an und "ich" mich zu wenig. Kann so was nicht ausdrücken, tschuldige, Süße.
Wie immer ist dein Post schwer zu kommentieren, weil er so berührt und man weiß, dass es keine Worte dafür gibt. Jetzt... bist du schon wieder auf dem Weg ins Verschwinden. Hängt es mit dieser Gewohnheit zusammen oder warum wünschst du dir Vernichtung, DEINE Vernichtung?
Was sagt denn das Drecksstück Waage heute? Ich mach mir gerade wahnsinnige Sorgen. Ich denk an dich <3
Hallo,
AntwortenLöschenes ist traurig, jedoch schmerzhaft nachvollziehbar, was du schreibst. Leider weiß ich nicht, was ich sagen kann, damit du dich besser fühlen könntest. Du bist nicht allein, Liebes. Diesen Schmerz, diese tiefgreifende Qual in dir drin, du trägst sie nicht allein mit dir herum. So versuchen wir ein neues, stabileres Konstrukt für deine Seele zu bauen. =) Natürlich hört sich dies nun nach Standardspruch an, aber: Es gibt immer Hoffnung.
Danke für deinen Kommentar auf meinem Blog.
Zu der Verteidigung zu den Leuten auf Facebook muss ich sagen, dass sie meinen Blog nicht lesen. Also können sie die Zusammenhänge, die zwischen ihren Worten und meiner Auffassung liegen, tatsächlich nicht in 'voller Blüte' erfassen. Wahrscheinlich macht es aber auch keinen Unterschied: Niemand sollte auf diese Art und Weise solche Worte entgegen geworfen bekommen.
Allerdings fühle ich mich schon weitaus besser als gestern. Die drei Leute sind geblocked und mein Bruder weiß ja, warum er mir den Ring gekauft hat. =)
Liebe Grüße
Emaschi
Anna... mir geht deine Frage nicht aus dem Kopf. Und auch nicht die Antwort, die ich darauf gegeben habe. Meine Gedanken, mein ganzes Verhalten gegenüber dem Essen sind komplex und widersprüchlich. Was ich (glaube ich) am meisten hasse, ist der Gedanke an... Fett. Dieses "was in meinem Körper damit passiert". Kann ich gerade nicht in verständliche Worte fassen, aber da hängt viel mit Richtigkeit zusammen. Was ist richtig, für meinen Körper, für mich, für andere. Wieso und was und wäh. Mir wird immer öfter schlecht von Essen (wobei ich nicht weiß, ob ich "satt" bin oder "voll") und dann nehme ich an zu viel gegessen zu haben, aber allein diesen Begriff "zu viel" finde ich einfach lächerlich, obwohl ich gar nicht weiß warum. Es geht nicht nur um die Kalorien, klar schaue ich auch darauf, aber das ist nicht das, was mich stört. Zu wissen, was das ist und dass das in meinem Körper ist und dass irgendetwas an mir sich dadurch verändert, ICH mich verändere, ist auf lange Zeit nicht zu ertragen. Ich will meine Knochen spüren, weil das vielleicht die einzige Art ist, mich spüren zu können (auch wenn sie es nicht ist, es ist die- für mich- einzig gewollte). Ich würde glaube ich essen wie sonst was, wenn ich wüsste, dass es genauso raus kommt, wie es auch rein gekommen (nicht wieder durch meinen Mund, sondern in seinen gesamten Bestandteilen xD) und mein Körper sich dadurch nicht verändert. Aber ich nehme etwas davon auf und ja, ist mir klar, mein Körper braucht es zum Leben, zum Tanzen, aber das hilft mir auch nicht. Vielleicht geht es um Kontrolle, vielleicht geht es um etwas vollkommen anderes- du bist hier der Profi, Schwesterherz xD Jedenfalls... was blöde Fragen nicht so alles auslösen können, nä? xD Tut mir leid, falls du das alles nicht hören/auf etwas anderes hinaus wolltest oder so, ist nur... ich weiß, wie widersprüchlich alles klingt, was ich sage. Einmal so, einmal so, und vor allem bei dir (du sagtest ja mal, du merkst dir so gut wie alles) möchte ich nicht, dass du denkst, dass ich da irgendetwas zusammendichte. Hab keine guten Erfahrungen gemacht, was solche Fragen und meine Antworten angeht, weißt du ja^^ Essen ist anstrengend. Es ist eine Notwendigkeit. Eine Einschränkung. Bin nicht so gern auf etwas angewiesen.
AntwortenLöschenEinfach löschen, wenn du das gar nicht hören/wissen/lesen wolltest, ja? Wusch und weg.
<3
Irreparabel? Ein großes Wort. ich wünsche dir dass der tatsächliche Schaden weniger Wucht hat. Und was deine Seele betrifft: Die Narben werden bleiben, auch hier. Weisst du, was Wikipedia über Narben sagt? Sie sind der "Endzustand der Wundheilung". Etwas ist geheilt, verheilt, der große klaffende Schmerz hat sich allmählich geschlossen.
AntwortenLöschenIch verrate dir, was mir geholfen hat und immer noch hilft: Das Bewusstsein, über einen Willen zu verfügen. Viele mit ES oder anderen psych. Erkrankungen retten sich in die Passivität, dass sie, der jeweiligen Erkrankung ausgeliefert, "nicht anders können" (obwohl sie doch "wollen"). Das bietet behaglichen Platz sich auf einem Status quo auszuruhen, selbst wenn dieser Leiden verursacht. Eine vertraute Hölle ziehen viele einer unbekannten vor.
Was stimmt nicht an diesem Konstrukt?
Dass uns nach der selbstgeschaffenen Hölle nur eine weitere erwarten kann.
Gewalterfahrungen haben die traurige folge, dass sie zur Basis neuen Denkens werden: Wenn mir damals XY passiert ist, muss ich schuld gewesen sein (weil....) und es wird mir wieder passieren. Die Welt ist ein böser, unsicherer Ort.
Ja.
Und nein.
Wir können uns nicht vor allem schützen. schon gar nicht as Kind. aber auch Erwachsene stoßen an ihre Grenzen, allüberall. Böses geschieht. Fakt.
Gutes geschieht. Fakt.
Liebe.
Liebe. Liebe.
Ein Wunderwerk.
Du bist mit-Kreator deiner seelenlandschaft. Du hast einen Willen. Auch mit einer psych. Erkrankung. Du kannst dich entscheiden. Irgendwann hast du dich gegen die Klingen entschieden. Für die Hoffnung.
Ein anfang.
+Aber vergiss nicht, dass Hoffnung kein Kalorienträger ist. Und diese benötigst du, um effektiv zu gärtnern.
Was ist Glück?
Für mich, momentan, einen schnarchenden Fellbären neben mir liegen zu haben, dessen Welt in Ordnung ist und der zart und würzig nach Hundeohr duftet.
All the best.
"sie"
Wie immer vielen Dank für die guten Wünsche und deine Rückmeldung. Ich bin froh darüber, dass du deine Gedanken mit mir teilst, und freue mich über kritische Worte und persönliche Erfahrungen.
LöschenZunächst einmal ja, einige Dinge sind tatsächlich irreparabel. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht versuche, aus dem Rest das Beste zu machen :)
Für die seelischen Narben gilt genau dasselbe wie für meine körperlichen: Früher habe ich versucht, sie krampfhaft zu verstecken, weil ich mich dafür schämte. Heute trage ich sie als Teil von mir, als etwas, was selbstverständlich zu mir gehört, aber mich nicht als Einziges definiert. Einfach einen Anteil neben all den anderen Dingen, die mich ausmachen. Und das fühlt sich richtig an.
Vom Gedanken, dass die Welt und andere Menschen nichts als Böses im Schilde führen, konnte ich mich glücklicherweise inzwischen verabschieden. Ich vermute, dass ein gewisses Rest-Misstrauen immer bleiben wird, aber ich versuche, dies als Ressource zu sehen und zu nutzen.
Es klingt, als hättest du es aus der Essstörung geschafft, das macht mich glücklich. Und ich bin sehr froh, dass du offenbar einen vierbeinigen Begleiter hast. Tiere sind etwas Wunderbares.
Ganz liebe Grüße an dich, unbekannterweise.
Hallo meine süße kleine Anna <3
AntwortenLöschenIch bin sehr beruhigt zu wissen, dass du weiter auf dich achten wirst. Ehrlich, nichts wäre unerträglicher, als anderen Menschen und insbesondere so liebe Menschen wie dich zu verletzen mit meinen Posts. ...
Oh mein absoluter Favorit: Vampire Knight.
Ich liebe einfach alles von Matsuri Hino :D
Ja ... aber es hat auch nicht geklappt. Ich kann es einfach nicht. Ich komme mir so unfähig und dumm vor ... :'(
Ich freue mich auch für dich, dass du die Musik nicht aufgeben musstest!
Inwiefern hast du deinen Körper irreperabel geschädigt? :/
Ich wünsche dir nur das Beste. Ehrlich und aus tiefstem Herzen <3
Alles Liebe
Lovely
Hey du :)
AntwortenLöschenMeine Eltern wissen mittlerweile, was los ist. Mein Vater seit gestern Nacht wegen nem Restalkoholpegel und meine Mutter wegen... "ahh, ich bin ein ehrlicher Teil, ich erzähle jedem ALLES, auch wenn er es nicht hören will!"
-.-
Ja, das stimmt... Den Film kenne ich nicht :) hört sich aber gut an ^^
Wer sagt denn, dass alles zusammenpassen muss? :b
yeaaah :DD
Battos ist... Battos.
Beides. Seinem Aussehen nach zu urteilen, hat er die Kekse aufgefressen ^^', und... sagen wir... er ist ein sehr eigener Charakter... der Aufmerksamkeit will... oder so... ääääh.
Rosa ist furchtbar -.-
("Achlys, guck mal, das T-Shirt, das steht dir so gut mit deiner Haarfarbe!" - "Mama. Das ist rosa." - "Nein, das ist himbeerfar-" - "DAS IST ROSA. NEIN." xDD)
Am besten noch leuchtendes glitzerndes Rosa mit Sternchen und Regenbögen und Einhörnern xD
Glitzer kriegst du nie wieder raus xD