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04.12.2014

Grey would be the color if I had a heart.

Liebe Belle, 

sollte ich einen Schulaufsatz zum Thema "Liebe" verfassen, würde ich mich wohl in kulturellen Ausführungen, religiösen Überlegungen und anthroposophischen Betrachtungen verlieren. Alles, um ja nichts Persönliches zu diesem Thema sagen zu müssen. 
Denn das Thema tut weh. Hat es schon immer.
Lange bevor ich lesen und schreiben konnte, lange bevor ich überhaupt klar benennen konnte, was Liebe ist, lange bevor ich zu einem autonomen Menschen wurde.

Zum Zeitpunkt meiner Geburt hatte meine Mutter gerade ihre wichtigste Bezugsperson verloren. Alle Gefühle, die sie übrig hatte, schenkte sie mir. Doch bevor ich richtig laufen lernte, mussten wir beide erkennen, dass ihre Zuneigung niemals mir gegolten hatte und niemals mir gelten wird. 

Die meisten Menschen assoziieren mit Liebe vermutlich etwas wie Nähe.
Zuneigung.
Wärme.
Zuhausesein.

Für mich war Liebe immer eine Ware. 
Eine teure, abhängig machende Ware. 
Meine Mutter hatte mich angefixt mit dieser Droge und dann auf dem Trockenen sitzen lassen. Und mir erging es wie jeder anderen Süchtigen. 

Liebe war lange Zeit etwas, was ich gleichzeitig verzweifelt ersehnte und zutiefst fürchtete. Ich tat alles, um sie zu erlangen, doch nie war es mir genug.
Liebe war eine Ware, und ich konnte sie nur auf sehr kostspielige Art erwerben. Im Handel gegen Gehorsam, gegen Selbstverleugnung, gegen Körperlichkeiten.
Im Namen der Liebe habe ich mich prostituiert, da gibt es nichts schönzureden. 

Wenn ich heute an Liebe denke, empfinde ich vor allem Angst, Wut und Scham.
Die Liebe hat mein Leben indoktriniert, sabotiert, kontaminiert.

Belle, verzeih mir. Du hast so viele schöne, warme Fragen gestellt, und ich finde nichts als eine hässliche, kalte Antwort.
Es tut mir Leid.
Anna.

3 Kommentare:

  1. Anna <3
    Reintegrieren? Meinst du verschmelzen oder so? ... gerade möchte ich so tun, als wäre das alles nicht da. Geht aber schlecht, wenn ich mir solche Mails angucke... mh.
    Tut mir leid, ich kann gerade nicht so gut schreiben und eventuell hört sich das ein bisschen emotionslos an.
    Ich mag Einhorn, Einhorn ist mir sympathisch und der Glitzer auch. Aber wenn du mir dein Glitzereinhorn leihst, hast du doch gar keines mehr. Ich weiß. Einhorn hat ein Geschwisterdings und das pennt dann bei mir heute Nacht in meinem Bett und passt auf mich auf. Das wird dann zwar ein wenig voll (echter Hund, imaginäre Wölfe und so, Glitzereinhorn), aber was nicht passt, wird passend gemacht.
    Ich glaube, Kerl bringt mich nicht einmal absichtlich durcheinander. Er will nur alles klären. Hm. Und ich schaffe es nicht, das alles zu realisieren und zu verstehen, was er weiß. Ich vergesse alles Mögliche wieder, zum Beispiel lese ich extra noch die Mails, die er an die Therapeutin geschickt hat und wenn sie dann fragt, was drin stand, weiß ich kaum noch etwas. Ich weiß nicht. Vielleicht ist das besser so.
    Danke für deine Kommentare, du Liebe.

    Und, ich denke nicht, dass es dir leid tun muss, dass du nur "hässliche, kalte" Antworten findest. Das sollte denen leid tun, die dafür verantwortlich sind.
    Alles Liebe dir.
    Achlys

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  2. Ich bin zufällig auf deinen Blog gestoßen und beim Lesen dieses Posts hatte ich das Gefühl, dir unbedingt einen Kommentar da lassen zu müssen. Deine Worte haben mich so berührt und deine Art, über dieses Thema zu schreiben ist auf eine Weise tragisch und doch so besonders. Ich versuche gar nicht den Menschen um mich herum zu erklären, wie ich zu diesem Thema stehe, denn das kommt meist nicht gut an oder stößt an Verständnislosigkeit.. Und an manchen Tagen fühle ich mich krank, nicht ganz dicht, anders als die "normalen" unter uns.. Aber egal, was ich tue.. Ich wäre mir selbst gegenüber nicht ehrlich, würde ich nicht ein ähnliches Gefühl der Liebe gegenüber haben, wie du es hast.. Das wollte ich mir nur vom Herzen schreiben, ich hoffe, es stört dich nicht.

    Alles Gute..

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  3. Deine Antwort ist nicht hässlich. Sie ist wahrhaftig, ehrlich, schonungslos.
    Mag sein, dass sie deswegen kalt ist. Aber das muss nicht unbedingt schlecht sein.
    Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast.
    Und es tut mir Leid, dass du solche Erfahrungen machen musstest.

    Alles Liebe,
    Belle

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