Ich bin unglücklich.
Nicht, dass das etwas Neues wäre, aber es ist mir viel zu unangenehm, es zuzugeben, wenn sich jemand aus meinem Umfeld nach meinem Befinden erkundigt, und irgendwo muss das Gefühl hin.
Komischerweise ist die Traurigkeit am stärksten, wenn ich mich hier durch die Blogs klicke und von all dem fremden Leid lese, was doch vertraut ist. Versteht mich nicht falsch: Ich lese gern von euch, sehr gern sogar. Es ist nur... Hier ist so viel Schmerz, den ich gern lindern würde. So viele verletzte Seelen, die eine Umarmung, ein Ichbinda benötigen. So viel Kummer, so viel Ungerechtigkeit, dass ich am liebsten schreien möchte.
Und gleichzeitig bin ich unendlich traurig und meine Haut zu dünn, sodass das Unglück wie bleischwerer Nebel durch die Poren in mich hineinsickert, sich durch meine Adern im ganzen Körper verteilt, wo es sich langsam ausdehnt und alles, was ich war, erstickt, bis mein Herz leer und mein Gehirn langsam, meine Augen müde und das Leben furchtbar schwer und die Zukunft hoffnungslos ist.
Dann schäme ich mich und es tut mir Leid, denn jede*r von uns sucht hier den Ort, um seine Gedanken abzulegen, unzensiert - ich bin hier meist auch nicht gerade ein strahlender Sonnenschein - und nie bedarf man der Worte, Gedanken und Blickwinkel Anderer mehr als in diesem Moment.
Trotzdem bin ich nach der Lektüre meist müde, traurig, ängstlich und voll Schuldgefühle und traue mich wieder tagelang nicht hierher.
Mir geht es auch oft so, wenn ich all die Blogs lese. Es ist einfach so traurig, so ungerecht. Niemand hat es verdient, dass es einem so schlecht geht...
AntwortenLöschenFühl dich mal ganz lieb umarmt. ♥
ich verstehe, was du meinst. und manchmal ist es auch wirklich nicht gesund, sich noch mehr leid durchzulesen als man sowieso schon hat - da bedarf es auch keiner schuldgefühle! die tatsache allein, dass du an andere blogger und ihre geschichten denkst, dass du mitfühlst und anteil nimmst und es auch so kommunizierst, ist doch schon so viel! und manchmal ist das eben alles, was man geben kann, ohne sich zu schaden. und das ist dann auch genug und gut so. :-) du kannst so trotzdem leuchten, in allem unglücklich sein... ich drücke dich (wenn du magst)♥
AntwortenLöschenJa. So viel Leid, so viel Ungerechtigkeit hier, an diesem Ort. Aber, was ich hier auch lese, wenn ich von all dem Leid lese, dann denke ich mir auch: wie gut, dass es diesen Ort gibt, diesen Raum, um all den viel zu stummen Seelen einen Ort zu geben, um zu sprechen (und gehört zu werden). Ist es nicht das, was wir alle wollen - gehört werden?
AntwortenLöschenWeiß du, ich sehe deine aufmunternden, liebevollen Kommentare, deine Worte, überall. Unter so vielen Blogs sehe ich sie. Und das ist schön und wertvoll und gut (aber geh nicht verloren, geh nicht verloren, geh nicht verloren)
Liebe Anna,
AntwortenLöschenich kenne das Gefühl mit den Blogs. Manchmal, wenn ich unter der (stressigen) Woche abends Blogger öffne, mache ich nach ein paar Zeilen wieder zu und nutze die Zeit zu vielleicht weniger sinnvollen Dingen. Ich versuche das zu lösen, indem ich mir am Wochenende ein, zwei Stunden ganz in Ruhe die Zeit nehme, zu lesen und zu kommentieren, meist wenn ich in einer (halbwegs) guten Verfassung bin. Dann hast Du nicht dieses Gehetze und Selektieren und am Ende haben alle mehr davon. Ich finde nicht, dass das ein Grund zum Schämen ist. Es gibt einige Blogs, die ich hauptsächlich still lese. Vielleicht, weil ich dort das Gefühl habe, nichts sinnvolles beitragen zu können, vielleicht auch aus Zeitgründen. Aus eigener Blogger-Sicht finde ich es oft schon hilfreich, wenn "irgendjemand" liest, weil es sich dann ausgesprochen anfühlt. Irgendwie.
Ich wünsche Dir ein bisschen Glitzer zwischen die Traurigkeiten.
Alles Liebe
Liebe Anna,
AntwortenLöschenja, wir alle suchen uns Orte, um unsere Gedanken abzulegen, und unsere Gedanken und Gefühle sind nicht immer schön, denn wenn alles schön wäre... vielleicht würden wir dann nicht die Worte und Gedanken der anderen ... "brauchen", vielleicht hätten wir dann alle Sonnenscheinblogs über Musik und Essen und Mode und hätten zehntausend Follower auf instagram. Stattdessen - es ist nicht immer alles schön. Vielleicht, wenn man glücklich ist, vielleicht ist man dann so damit beschäftigt, glücklich zu sein, dass man gar nicht schreiben kann - möchte - will, und all das Negative landet auf den Blogs, weil man sich auskotzen möchte und Hilfe braucht. Es ist alles selektiert. Wir sind hier alle so viel mehr als unsere Krankheiten und unsere Gefühle, wir erleben viel mehr als - Therapiegespräche, beispielsweise. Und ja, das ist viel... Das ist so unglaublich viel Leid und Traurigkeit und Angst und Schmerz. Vielleicht wie in einer Selbsthilfegruppe: es geht jedem mal schlecht, mal geht es ganz vielen gleichzeitig ganz schlecht, mal geht es ein paar Leuten besser, mal schlechter, und man versucht, sich um diejenigen zu kümmern, denen es schlechter geht. Und wenn es einem selbst nicht gut geht, wird das alles schnell zu viel. Das kennen wir auch. Das ist ganz normal, man kann nicht alles auf einmal lindern - den eigenen Schmerz UND den der anderen.
Aber... du bist wichtig. Du bist wichtig, und das Wichtigste für dich sollte sein, dass es dir gut geht. Wenn es einem selbst gut geht, ist es erträglicher, das Leid der anderen zu sehen. Nicht aus Hohn oder Verachtung, sondern ... jemand, der ertrinkt, kann nicht einen anderen retten, der auch ertrinkt. Er muss sich erst selbst retten - und dann kann er versuchen, den anderen aus dem Wasser zu ziehen. Aber erst dann. Wenn man wieder genug Kraft hat um zu schwimmen, kann man anderen helfen, aber wenn du selbst erschöpft bist, nicht mehr kannst und kurz davor bist, unterzugehen, ist es so, so, so schwer, für andere da zu sein oder zu sehen, dass sie auch gegen die Wellen ankämpfen müssen.
Wenn du Zeit brauchst, um wieder ans Ufer zu kommen, nimm sie dir. Schreib hier, so viel du möchtest, egal, was mit den anderen ist, bitte, es ist dein Platz für deine Gedanken. Wenn es zu viel ist, hier zu lesen, tu es nicht, pass auf dich auf, und erst dann kannst du schauen, ob du für jemand anderen da sein kannst. So "egoistisch" sich das vielleicht auch anhört - das ist es nicht, wirklich nicht.
Und wenn du magst: ich bin da - wir sind da, und wenn du magst, noch eine Umarmung. Wir lesen dich. Und können all das nachvollziehen.
Ich wünsche dir, dass der bleischwere Nebel weniger wird, dass so viel Glitzer und Licht und Glück und Leben wie möglich sich in dir ausbreitet und - ganz viel Flausch.
♥ Danke. (So komisch sich das vielleicht anhört, wir sind auch öfter sprachlos... weil wir immer noch im Kopf haben, wie wir vor einzweidreivier Jahren reagiert hätten oder wie wir da gedacht haben, und was wir jetzt alles schaffen, erleben und denken, das fühlt sich dann manchmal geradezu unwirklich an... weil es so meilenweit entfernt vom Früher ist. Wir kommen da manchmal selbst gar nicht so hinterher, äh-wat-Momente lassen grüßen... aber es ist schön. Deswegen behalten wir's, ist zumindest der Plan :P)
AntwortenLöschen♥
Liebe Anna, wo Schatten ist, da ist auch Licht. Tatsächlich überrascht es mich immer wieder, wie liebenswert und freundschaftlich der Umgangston in der Blogger-Gemeinde ist. Dein Unglück wird nicht von Dauer sein, es wird vorübergehen, Du wirst auch wieder Glück erleben, ganz sicher. Eine Umarmung und liebe Grüße aus Frankfurt, Pirandîl
AntwortenLöschenLiebe Anna,
AntwortenLöschenmir geht es oft sehr ähnlich wie dir. Es macht mich unglaublich traurig zu lesen was andere erfahren mussten und wie sehr sie leiden. Das ist so ungerecht und - einfach scheiße!
Als ich mit dem Bloggen angefangen habe war ich zunächst - erleichtert. Dass es andere gibt, denen es ähnlich geht, dass sie meine Gefühle nachempfinden können, wo ich in der realen Welt doch auf so viel Unverständnis stosse.
Für mich ist mein Blog schon auch viel Zufluchtsort. Für Gedanken, die ich nicht wage auszusprechen und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, mir ist egal ob das jemand liest. Wenn es mir egal wäre, bräuchte ich keine Leser. Mir ist der Zuspruch wichtig, der Austausch, die Anregungen und Kommentare anderer.
Vor einigen Minuten habe ich einen Beitrag veröffentlicht, der so absolut nichts mit meinen Psychoproblemen oder der Therapie zu tun hat. Ja, das ist auch Teil meines Lebens, aber es war unglaublich schwer das zu veröffentlichen. Weil ich selbst auf meinem Blog Angst habe mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. Dass es ja gar nicht so schlimm sein kann, wenn ich sowas schaffe und so.
Vielleicht ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass die Blogs nur ein Teil des Lebens des Autors wiederspiegeln. Und dann hoffen, dass die Personen auch schöne Momente haben. Wenn auch nur kurz bei all der Dunkelheit...
In diesem Sinne wünsche ich dir und hoffe sehr, dass du bald wieder ein bisschen Licht siehst, dass die Schwere der Traurigkeit dir etwas Luft zum Atmen lässt.
Alles Liebe, E.
PS: Ich hoffe, du setzt dich selber nicht unter Druck. Trotz aller Leser finde ich, sollte sich niemand einschränken in dem was er schreibt. Es ist ok. Es ist ok traurig zu sein und es ist ok, wenn das viel Platz im Blog beansprucht.
danke für deine worte. ja, mittlerweile kann ich über diese frau lachen. und irgendwann werde ich eine fähige therapeutin finden. von der möchte ich mir auch gar nicht "helfen" lassen. du hast recht, die therapeuten machen sich heute das leben leicht. wer zu gestört ist, bekommt eben keinen platz. ich will burn out ja gar nicht kleinreden, aber wer heutzutage auch alles einen klinikplatz bekommt ist echt krass. und ich habe mir vor meinem ersten aufenthalt die frage gestellt, ob ich denn auch wirklich krank genug bin. kein wunder, dass die wartelisten mittlerweile ewig lang sind, wenn jeder direkt in die klinik geht. so, jetzt habe ich genug gemeckert. ich würde so gerne auch etwas positives sagen, aber viel fällt mir leider nicht ein.
AntwortenLöschenich schicke dir eine große portion glitzer.
pass du bitte auch gut auf dich auf. <3
anna
Hallo du Liebe,
AntwortenLöschenEs tut mir leid dass du dir Sorgen um mich machst. Ich habe länger nicht geschrieben, da ich momentan sehr wenig Zeit habe durch Uni und Nebenjob. Es ist soweit aber alles okay. Der Krach hat sich nicht direkt gelöst (meine Eltern sind schlicht auf meine Erklärungen und Argumente nicht mehr eingegangen), aber es hat sich beruhigt. Ich finde es total lieb, dass du dich nach mir erkundigst♡
Ich werde auch bald wieder etwas schreiben denke ich!
Wie geht es dir denn? Ich denke öfters an dich und kann auch deine Gefühle zur Blogger Welt, wie du sie hier schilderst, gut verstehen!
Alles Liebe und eine Umarmung an dich ♡
Kathi
Bezüglich meiner Erzieherausbildung muss ich diesen Monat insgesammt 7 Prüfungen schreiben... Es hat gestern nicht so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe und das ganze Stress nagt schon ziemlich an den Nerven.
AntwortenLöschenAber danke für deine lieben Worte. ♥