zuerst kaue ich worte
dann schlucke ich scherben
deine, meine, unsre worte
unsre, meine, deine scherben.
das blut läuft warm meine kehle hinunter
ich schlucke, schlucke mühsam,
aber irgendwohin müssen sie ja
die worte und die scherben
irgendwohin muss alles.
das übermorgen ist schon lange müde
es gähnt und rollt sich in der ecke zusammen.
so jung und verletzlich
ich sitze am fenster
und bewache seinen schlaf
es hat doch sonst keinen
und träume sind gefährlich.
der mond glotzt ins zimmer
hallo mond, flüstere ich.
der mond sagt nichts.
er ist alt und dumm
deshalb versteht er nichts von scherben und worten und blut
er ist ja bloß aus stein
und vom übermorgen will er nichts wissen
für ihn sind die jahrhunderte gleich
er hat schon so viele kommen und gehen sehen
er glaubt, er wisse alles
wenn ich ehrlich bin: die scherben kratzen ein wenig
vor allem schmecken sie nach metall
oder ist es das blut?
na wennschon
es gibt schlimmeres, denke ich.
der mond blinzelt mir zu.
ach kind, stöhnt er, was weißt du schon vom all?
nichts
sage ich trotzig
nichts weiß ich vom all
nur von dem hier, und das ist wenig genug
guck nicht so,
sage ich zum mond.
du weißt dafür nichts hiervon.
nichts von worten oder scherben oder blut
gar nichts, hörst du.
und außerdem gibt es schlimmeres.
zum beispiel... ach, was weiß ich.
der mond hat das interesse verloren.
das passiert ihm häufiger in letzter zeit
er ist müde und gelangweilt und alt
weil er alles schon kennt
und alles schon gesehen hat
er denkt: ob fürsten oder bettler, sie sterben ja doch alle.
wozu sich also erst die mühe machen?
der mond kommt sich sehr tiefgründig vor und seufzt.
ich kaue die worte
ich schlucke die scherben
das blut ist warm
und übermorgen atmet
der mond wandert weiter
er kümmert sich nicht um die kleinen sorgen der sterblichen
die durch übermorgen unsterblich zu werden glauben
wenn auch nur für einen moment
die nachtluft schaut träge zu
wer von beiden
wohl der selbstzufriedenere ahnungslose ist?
doch sie findet keine antwort
darum schweigt sie
und nur die blätter wispern im dunklen
wie sie es immer tun
sie wissen es nicht besser.
Liebe Anna, das Übermorgen kann dich nicht schrecken, denn es kommen noch weitere Tage, junge Tage, voller Leben und Lachen, es sind auch Deine Tage, Du wirst es noch sehen: Tage ohne Blut, Tage ohne Scherben. Ich denke an Dich. Liebe Grüße, Pirandîl
AntwortenLöschen(so, so unfassbar toll geschrieben. aber eine so, so schmerzhafte metapher.)
AntwortenLöschenDanke, eine Umarmung kann ich gerade gut brauchen...
AntwortenLöschenNaja, wirklich durchfallen kann man nicht wirklich. Dazu muss man wirklich gar nichts wissen. Aber bei mir ist es immer so, dass ich so Angst habe, mich selbst zu enttäschen, weil ich es besser hätte machen können, verstehst du?
Deine Worte berühren mich gerade total! Und weißt du; jedes Mal, wenn ich zum Mond schaue, sehe ich, dass er ein Gesicht hat. Das wollte ich dir gerade nur mal sagen.
Ich denke an dich! ♥
Ja, das kann sein. Ich weiß es nicht. Ich hatte das schon öfter, aber es ist sehr selten. Und diese Schmerzen sind so schwer zu ertragen.
LöschenAlles Liebe und noch ein schönes Wochenende, wünsche ich dir. ♥
Luca
liebe anna,
AntwortenLöschenkatzen sind so wundervoll. und sie geben mir so viel sicherheit. ich wünschte, ich könnte eine eigene katze haben, aber hier in meiner kleinen wohnung möchte ich das keinem tier zumuten. wenn dann soll sie freigänger sein oder zumindest eine große wohnung mit balkon haben..
oh man, du hast gerade genau das in worte gefasst, was mir so unfassbar fehlt. dieses gefühl, kind sein zu dürfen und dass jemand da ist. das hatte ich nie und wünsche es mir noch viel mehr als das zuhause gefühl.
genau diese umarmung habe ich gerade gebraucht. ich habe heute ein bisschen superkleber für dich, damit du die scherben wieder zusammenkleben kannst und ein ganz neues bild entsteht.
anna ♥