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12.11.2014

Dusch mich, aber mach mich nicht nass.

Gerade habe ich das Gefühl, in einer Sackgasse angelangt zu sein.
Meine Ziele und Einstellungen mir selbst sowie meiner Umwelt gegenüber sind ambivalent. Getreu dem Motto "Dusch mich bitte, aber mach mich ja nicht nass".

"Ich möchte zunehmen, aber auf keinen Fall dicker werden."
"Sei mir emotional nahe, aber verletz mich nicht."
"Du musst mich retten, aber lass mich dabei bloß in Ruhe."
"Versuche, mich zu verstehen, aber nicht, mir in die Karten zu schauen."

Dieses Gefühl beginnt, sich auf den Blog auszuweiten.
Tausende von Entwürfe wurden eingelagert, welche aus ebenso vielen Gründen nie veröffentlicht wurden, und nochmal so viele Texte heruntergetippt und ohne einen zweiten Blick wieder gelöscht.

Es gibt Dinge, über die ich gerne schreiben würde, über die ich schreiben müsste.
Dinge, weswegen ich dieses Tagebuch überhaupt erst begonnen habe. Und natürlich schätze ich den Austausch hier, sonst hätte ich nichts davon öffentlich gemacht.

Aber ich habe Angst vor den emotionalen Reaktionen anderer auf meine Geschichte.
"Die typische Anorexe, die Gefühle gefangen in einer Zwangsjacke, von der ich dich so gerne befreien würde.", hat eine Freundin gesagt.

Meine Therapeutin hilft mir während der Traumaarbeit, meine Gefühle zu finden und zu benennen, sie mit Körperempfindungen und Gedanken in Verbindung zu bringen. Während sie mir einfache Worte für komplexe Gefühle anbietet, sie vorsichtig vor mir ablegt und ich zur Salzsäule erstarrt auf diese hinabblicke, spüre ich, wie sie hinter all ihrer Zärtlichkeit mit mir mit-leidet, im eigentlichen Sinne des Wortes.
Die Angst.
Die Wut.
Der Schmerz.
Die Ohnmacht.
Das zu sehen, was ich mir selbst nicht zugestehe zu fühlen, ist kaum auszuhalten.
Davor würde ich gerne die Augen verschließen.

Aber die Wirklichkeit heißt "Du hast mein Leben zerstört."
Die Wirklichkeit heißt "Hätte ich dich doch nie geboren." 
Die Wirklichkeit heißt "Warum stirbst du nicht endlich?"

Die Wirklichkeit heißt Meine Mutter hat mich nie geliebt.

9 Kommentare:

  1. Danke.

    Nein, das war schön.
    Ich kann deine Gefühle nachvollziehen. Auch wenn dir das nichts hilft. Ich hoffe, es geht dir bald besser.

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  2. Hallo, Anna :)

    Ich habe deinen Post heute gelesen und... das ist so furchtbar. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll... das ist so furchtbar. So sollten Menschen nicht sein, zu niemandem, überhaupt kein Mensch sollte sich so verhalten, dass solche Sätze zu ihrer eigenen Wahrheit werden... Ich hoffe, das hier ist keine emotionale Reaktion auf einen Teil deiner Geschichte, die du fürchten musst...
    Fühl dich gedrückt und lieb gehabt, wenn das in Ordnung ist.

    Äh... ich glaube, ich habe in der letzten Stunde was davon gesagt, sie weiß also von beiden "Varianten", also Fressen & Hungern, Bescheid, und meinte, dass das keine Lösung sei... oder so... das war schon der Teil der Stunde, wo ich nicht mehr wirklich anwesend war *g
    Und als Problem würde ich es ja nicht bezeichnen... also... eher die Unfähigkeit, sich von ner Zahl zu lösen und gesund abzunehmen xDD

    Zum Thema Bedeutung etc. steht was in den letzten beiden Einträgen, also der Tittellose und der über die Stunde. Ich selbst bin ja auch sehr dafür, so etwas keine Bedeutung zuzumessen :D aber ich hab heut nochmal mit ihr telefoniert und äh... ja. Alles komisch und verworren und wah. Ich kann das auch nicht wirklich in Worte fassen. ^^

    Und, deine Beantwortung meiner Frage finde ich wunderschön. Deine Gedanken dazu und deine Art, das zu formulieren. Ich hab mich in deinen Schreibstil verliebt. *g

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  3. Mir geht es im letzten Punkt wie Kian, auch wenn es nicht konkret hilft, ich hoffe es geht dir bald besser.

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  4. Entschuldige bitte...
    Gefühle sind widerlich und ekelhaft *nick

    Es ist ok, das zu sagen :) ja... rational weiß ich das ja auch... emotional ist das nochmal was anderes *sfz naja, mal sehen. Mir geht's dabei ja auch nicht hauptsächlich um die Figur... das ist eher so ne Art "Nebeneffekt", der eventuell ganz nett ist, sondern darum... nicht mehr wirklich da zu sein. Keine Ahnung.

    Ich glaube, hoffnungsvoll ist das richtige Wort... Es klärt sich gerade einiges :) Ich bin auch froh. Sie ist einfach unglaublich ♥
    Ich wünsch dir dasselbe zurück :)

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  5. Mhm... :/ Tut mir leid.

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  6. Es ist egal, wie viele unveröffentlichte Beiträge du lagerst oder wie viele du wieder löscht; wir hören dir zu, aber bitte setze dich nicht unter Druck, etwas offenbaren zu müssen. Ich weiß wie sehr es weh tut, wenn es brodelt und raus will, aber niemand hier verurteilt dich, wenn es (noch) nicht so weit ist. Aber versuche auch nicht dich wegen den Reaktionen zurück zu halten. Zu jeder aufwirbelnden Geschichte gehört ein gewisses Maß Emotionalität von Außen. Natürlich gibt es die sogenannten "Trolls" und "Hater", die Stigmatisierungen und Ungerechtigkeiten als Waffe einsetzen, aber die meisten Leute hier sind einfühlsam und intelligent, viele hier können sich vielleicht sogar mit deiner Geschichte vergleichen.
    Ich möchte nur, dass du weißt, dass du dir keine Sorgen machen brauchst. Selbst WENN ein unpassender Kommentar geschrieben werden würde, kannst du ihn getrost löschen - in Gedanken darin, dass es leider immer Menschen gibt, die nicht verstehen und nachvollziehen können.

    Es ist beruhigend zu hören, dass dir deine Therapeuten helfen kann und es dich - wenigstens etwas - aus dem Schlamm zieht.

    Sicherlich ändern meine guten Intentionen und nett-gemeinten Worte nichts, aber bitte gib nicht auf. Du bist ein wertvoller Mensch, der leider so fern fehl geleitet wurde. Bitte bleibe stark. Heißt es nicht auch, Schmerz wird vergehen? Er muss, richtig? Ja, er muss. Und er wird. =)

    Liebe Grüße
    Emaschi

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  7. Hey Anna,

    ich stimme Emaschi zu, setze Dich nicht unter Druck, veröffentliche nur, was Du auch wirklich veröffentlichen willst – und was die Trolle betrifft, ignoriere und lösche sie einfach. Leider werden sie nie ganz verschwinden. Ich habe mich jedenfalls gefreut, wieder von Dir zu lesen, und ich wünsche Dir, dass die Widersprüche in Deinen Gefühlen sich auflösen, oder zumindest für Dich soweit beherrschbar werden, dass Du über sie herrschst.

    Liebe Grüße, Pirandîl

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  8. Liebe anna, nein, Gefühle sind nicht wie oben benannt "widerlich und ekelhaft". Gefühle sind, was uns ausmacht, ob wir wollen, oder nicht. Wir können sie in Ketten zu legen versuchen und hinter Mauern aus Hunger verbergen wollen. Aber sie werden dadurch nicht weniger existent. Sie werden dich anstarren, die flackernden Blicke auf dich richten und dir folen, wann immer du glaubst, du hättest sie hinter dir gelassen. Dein Elfenbeinturm ist nur ein Konstrukt, ein Wunsch-ort, Utopia.
    Nicht geliebt zu werden von ausgerechnet demjenigen Menschen, der einen geboren hat, der einen in dieses Leben geholt hat, schafft eine Wunde, die sich nie vollständig schließen wird (glaube ich). Es bedeutet den Verlust von Wurzeln und Ursicherheit in dieser Welt am richtigen Ort zu sein. Da ist unendliche, überfließende trauer, da ist Wut (du wurdest schießlich nicht gefragt!!), da ist Ohnmacht und Orientierungslosigkeit. Und Unsicherheit? Wie soll man vertrauen, wenn man in dem Gefühl aufwachsen muss, nicht erwünscht zu sein, wie sol Nähe aushaltbar oder vorstellbar sein, wenn sie fremd und ungewohnt ist?
    Die Gefühle, die diese Erkenntmisse auslösen, mögen schmerzhaft sein, aber sie sind auch notwendig. Um zu erstarken und Schritte, kleine, zarte schritte zu gehen, weg vom "ich bin ein "wenndochnicht", hin zu einem "ich bin ein "ichdarfdennoch". Viel Kraft.

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    1. Hallo du, vielen Dank für deine ehrlichen Worte, ich habe mich sehr gefreut. Gefühle per se sind nicht schlecht, das ist wahr, aber ich erkenne an, dass ich momentan starke Schwierigkeiten habe, sie zuzulassen. Das Problem sind somit nicht die Gefühle, sondern meine Art, mit ihnen umzugehen. "Elfenbeinturm" trifft es auf den Punkt. Du hast da völlig Recht.
      Ich arbeite sehr hart daran, dieses Verhalten zu ändern, und es gelingt mir mit jedem Tag besser. Mir ist klar, dass ich noch lange nicht am Ziel bin, dass ich nicht nachlassen darf in meinen Bemühungen, und das werde ich auch nicht.
      Eines Tages werde ich ein "Ichdarfdennoch" sein.
      Ganz sicher.

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