du möchtest gerne wissen, wie ich "Erwachsensein" definiere und ob ich mich selbst für erwachsen halte.
Weißt du, eigentlich dachte ich immer, ich würde nie erwachsen werden.
Für immer gefangen im Nimmerland.
Petra Pan auf verlorenem Posten, ohne Hoffnung, ohne Glauben, ohne Tinkerbell.
Jetzt habe ich einen Job und eine Wohnung und einen Partner. Mein Selbstwertgefühl hängt nicht mehr von der Zahl auf meiner Waage ab und gelegentlich kann ich in den Spiegel sehen ohne ein gedankliches "Oh Gott". Ich habe soziale Kontakte und stolpere nicht mehr von einer Beziehung in die nächste. Kein nächtliches Himmelfahrtskommando mehr mit dem Auto, kein Tanzen auf Zugschienen. An 99% der Dinge, die ich getan habe, kann ich mich erinnern. Konflikte löse ich nicht mehr durch Ausrasten und/oder Suizidandrohungen, sondern ich bleibe ruhig und diskutiere, meist sogar ohne Schreien.
Mir geht's doch gut.
Ehrlich.
Nur frage ich mich manchmal:
Bin ich erwachsen geworden? Oder einfach nur langweilig?
Sollte das Erwachsensein so bitter schmecken?
Bin ich erwachsen geworden? Oder einfach nur langweilig?
Sollte das Erwachsensein so bitter schmecken?
Denn die Wahrheit ist, dass ich mich manchmal zurücksehne.
Zurück nach der Zeit, in der alles noch sehr viel komplizierter und gleichzeitig einfacher war.
Zurück nach der Zeit, als ich noch handelte, ohne nachzudenken.
Zurück nach der Zeit, in der ich noch keine Handlungsalternativen kannte oder sehen wollte.
Zurück nach der Zeit, als ich glaubte, keine Verantwortung für mich und die Konsequenzen meines Verhaltens zu tragen.
Doch diese Zeit ist vorbei.
Und jetzt habe ich Angst, niemand mehr zu sein.
Diese Krankheit hat mich lange Zeit aufgefressen, mit Haut und Haar. Da blieben weder Freunde noch Stabilität, weder Sicherheit noch Persönlichkeit. Ich war die Krankheit, die Krankheit war ich, ganz ununterscheidbar. So furchtbar das war, wusste ich dadurch doch auf eine verquere Art, wer ich bin. Das war mein Strohhalm.
Bis mir irgendwann klar geworden ist, dass es so nicht weitergeht, dass ich sterben werde, wenn ich so weitermache, heute oder morgen oder übermorgen. Danach habe ich endlich ernst gemacht. Und zuletzt habe ich mir und allen anderen bewiesen, dass ich stärker bin. Ich habe alle meine Kraft und meine Wut in diesen Kampf gesteckt, und jetzt bin ich eigentlich nur noch erschöpft und leer, will mich wie eine Katze zusammenrollen und tausend Jahre schlafen und nicht über das Loch nachdenken, was in mir ist, dort, wo früher die Krankheit war. Die Zeit, die andere mit Kindsein verbringen durften, die wurde mir weggenommen, und meine Jugendzeit habe ich größtenteils mit Selbstzerstörung vergeudet.
Liebe Achlys, ich glaube nicht, dass es ein "Erwachsensein" gibt.
Nur ein "Erwachsenwerden".
Jetzt muss ich ich werden. Ich weiß zwar noch nicht genau wie. Aber ich weiß, dass ich dafür weitergehen muss.
Und genau dieser Punkt, das ist Erwachsenwerden.
Alles Liebe, Anna.
Hey :)
AntwortenLöschenja doch ich glaub das ist mehr oder weniger korrekt ;) Valencia ist auch wirklich eine tolle Stadt, ich liebe sie einfach und fühle mich hier auch sehr wohl!
Danke schön für deine Willkommensgrüße :)
Liebe Grüße,
Kathiwhatelse
Pah, jetzt hast du mich herausgefordert. Kennst du Wilkie Collins (Die Frau in Weiß, Der rote Schal)? Oder hast du schon Jeffrey Eugenides gelesen (Middlesex, Die Selbstmord Schwestern)? Oder Gargoyle von Andrew Davidson? Muss ja was geben, was ich dir auch empfehlen kann ._. Nick Cave- Und die Eselin sah den Engel vielleicht? Keri Hulme - Unter dem Tagmond? William Beckford - Vathek?
AntwortenLöschenDanke, Kätzchen.
Ich mag dich auch. Sehr :3
"Bin ich erwachsen geworden? Oder einfach nur langweilig?" Genial. Und Anna? Wenn es kein Erwachsensein gibt, was passiert, was ist man dann nach dem Erwachsenwerden?
Hah! *stolz mit anschwellender Brust in der Gegend herumstolzier und vor mich hingrins* xD Du musst mir dann unbedingt sagen, wie dir die Bücher gefallen haben, ja?
AntwortenLöschenIst man nicht schon etwas, bevor man etwas wird?